Das Bobath Konzept

Die Wurzeln des Bobath-Konzeptes gehen zurück auf das Ehepaar Dr.h.c. Berta Bobath und Dr. Karel Bobath. Berta Bobath (1907-1991) war Physiotherapeutin und Gymnastiklehrerin. Karel Bobath (1906-1991) war Neurologe und Psychiater.
Beide haben seit 1943 ihr therapeutisches Konzept entwickelt unter Berücksichtigung der Kenntnisse aus Neuro-, Bewegungs- und Entwicklungsphysiologie.

Die gravierendsten und schnellsten Veränderungen in der motorischen Entwicklung des Kindes finden während der ersten 18 Monate statt. In dieser Zeit werden die fundamentalsten und wichtigsten Meilensteine der Entwicklung erreicht. Deshalb ist Kinder-Bobath so effektiv.
Abweichungen der physiologischen Entwicklung kann man früh erkennen und mit der Bobath-Therapie unter aktiver Beteiligung der Eltern frühzeitig behandeln.

Man spricht bei Bobath und Kinder-Bobath von einem Behandlungskonzept und nicht von einer Behandlungsmethode, da es keine bestimmten vorgeschriebenen Übungen gibt, die für alle Kinder verwendet werden können, wie z.B. Umdrehen, Aufsetzen, sich auf Händen oder Knien zu stützen, zu krabbeln, zu stehen oder zu gehen.
Das Bobath-Konzept berücksichtigt vielmehr, dass cerebral-bewegungsgestörte Kinder eine Vielzahl von Bewegungsmöglichkeiten aufweisen.

Die Behandlung nach Bobath gestaltet sich also sehr individuell nach dem Befund bzw. dem, was das Kind oder der Erwachsene kann und uns an Bewegungsmöglichkeiten zeigt.
Während der Behandlung wird stets genau die Qualität der Bewegungsabläufe beobachtet. Befundaufnahme und Behandlung finden bei der Behandlung nach Bobath somit gleichzeitig statt und es kann während der Behandlung herausgefunden werden, welche Handgriffe, welche Behandlungsart vom Kind (und in der Erwachsenenbehandlung auch vom Erwachsenen) mit einer normalen Bewegung beantwortet werden. So besteht die Bobath-Behandlung nicht aus einer bestimmten Anzahl von verschiedenen Übungen, sondern eher in funktionellen Bewegungsabläufen, die von uns begleitet werden.

Die Bobath-Therapie wird in der Kinder- und Säuglingstherapie oft eingesetzt z.B. bei Lage- und Haltungsasymmetrien, Entwicklungsverzögerungen, zentralen Koordinationsstörungen.

Das Kind richtet sich im ersten Lebensjahr aus der Horizontalen in die Vertikale auf, was einer guten Integration von Haltungs- und Bewegungsmustern bedarf.
Fehlentwicklungen dieser Bewegungsmuster bewirken abnorme Bewegungsabläufe, an die sich das Kind gewöhnt.
In der Behandlung versuchen wir diese falschen und oftmals zu Fehlhaltungen führenden Bewegungsabläufe durch einen Aufbau willkürlicher Bewegungsmuster zu durchbrechen, die das Kind dann übernimmt. Der Muskeltonus kann sich dadurch regulieren und ein Aufrichten gegen die Schwerkraft soll ermöglicht werden.

Elternanleitung

Eine cerebrale Bewegungsstörung bedarf oft einer langjährigen Therapie. Daher ist es sinnvoll, die Eltern in das Bobath-Konzept zu integrieren. Die Eltern lernen, welche Hilfestellung für das Kind günstig ist und welche Handgriffe eher ungünstig.
Das sogenannte Handling nach Bobath ist auch bei Kindern wichtig, die nicht wegen einer schwerwiegenden cerebralen Bewegungsstörung, sondern wegen einer Asymmetrie oder einer leichten motorischen Entwicklungsverzögerung in die physiotherapeutische Behandlung kommen.